Lauf des Erbsenrades
Am ersten Fastensonntag, wenn sich der Winter langsam seinem Ende zuneigt, rollt in Wadrill das Erbsenrad. Einst war dieser Brauch in unserer Region und in ganz Mitteleuropa weit verbreitet, erhalten hat er sich jedoch nur in sehr wenigen Dörfern.
Diesen „Lauf des Erbsenrades“ kann man jedes Jahr am „Erbsensonntag“, dem ersten Sonntag in der Fastenzeit, in Wadrill beobachten. Die schriftlichen Zeugnisse dazu reichen zurück bis etwa 1900, der Brauch jedoch ist sehr viel älter – er stammt noch aus vorchristlicher, das heißt gallogermanischer Zeit. Die Schriftzeugnisse belegen, dass das Rad in Wadrill seit über hundert Jahren regelmäßig rollte, nur in Kriegszeiten setzte man aus. Das heißt, der Brauch wurde hier nicht etwa wie so oft wiederbelebt, sondern hat eine durchgängige Tradition.
Die Bedeutung hinter der Zeremonie wird dann besonders augenscheinlich, wenn am großen Tag Schnee liegt: Dort, wo das Rad seinen Lauf genommen hat, ist der Schnee dann geschmolzen und die Wiese wieder sichtbar – ein Vorzeichen auf den wiederkehrenden Frühling. In der Vorstellung der Menschen symbolisierte das Erbsenrad die Sonne und als diese schenkte es der Erde Licht und Wärme. So sollten die Lebensgeister der Natur wieder erwachen und der Frühling zurückkehren.